Cantaloop Hamburg

Cantaloop out of control

Zugegeben: Der Plan ist nicht ohne Risiko. Aber ein wenig Nervenkitzel hat noch nie geschadet, wenn man sich anschickt, ein rauschendes Fest zu feiern. Dann jedoch zeigt die Wetterapp für den 15. Juni allerlei Garstiges und folgerichtig schält sich die Hansestadt im morgendlichen Dauerregen aus dem Bett. Keine guten Voraussetzungen für ein Chillen & Grillen auf dem Altonaer Balkon. Aber das kann einen Chor natürlich nicht erschüttern! Ein Orga-Team mit weiser Voraussicht, Menschen mit guten Verbindungen in Schulen und entspannte Hausmeister (Herzlichen Dank!) eröffnen spontane Alternativen. Und so bauen wir Bierbänke, Grills und Salatschüsseln kurzerhand im Innenhof und Aula der Rotheschule auf, dem Ort, der inzwischen unser zweites Zuhause geworden ist. Als Auftakt für einen zehnten Geburtstag, an dem erst morgens um drei das Licht ausgeknipst werden wird.

Lange hatten wir überlegt: Wie begehen wir das zehnjährige Jubiläum von Cantaloop? Mit Sekt, soviel ist klar. Und sonst? Ein Konzert? Eine Grillparty? Ein Tanztempel? Wir wollen alles. Und damit auch die Liebsten (besonders der Chornachwuchs) dabei sein kann, starten wir mit einer nachmittäglichen Sause für Family & Friends. Als Dankeschön für (bis zu) zehn Jahre Unterstützung, Rückenfreihalten, Babysitten und Gelassenheit, wenn diese besonders frickelige Stelle auch nach dem zehnten Mal üben nicht sitzen will und die Nachbarn schon längst schalldichte Fenster eingebaut haben. Nachdem Halloumi, Würstchen und Carinas fabelhafter Jubiläumskuchen

verputzt sind, reiht Cantaloop sich auf und spielt Juke Box. Wir performen Stücke auf Zuruf und machen auch vor Winter in Kanada nicht halt. Alles schon eine Einsingübung für Teil zwei des Tages.   Dieser führt uns zurück zu den Wurzeln. In der >>Alfred-Schnittke-Akademie gleich ums Eck stimmte Cantaloop vor mehr als neun Jahren sein erstes eigenes Konzert an. Und heute soll es wieder so weit sein. Mit einem Best Of der vergangenen Dekade, einer Bar für flüssige Pausen – und einer Dekoration, die selig macht. (Liebe Vibeke, Du hast Dich selbst übertroffen!).

Und so stimmen wir vor randvollem Saal um halb neun Blackbird an, gefolgt von weiteren Meilensteinen unserer A-Cappella-Story. Die zahlreichen ehemaligen Loopies im Publikum scheinen erfreulich textsicher, die Luft dampft.   In der Pause strömen wir schweißgebadet in den herrlichen Garten. Und Christoph (er heißt übrigens GERL mit Nachnamen, das sollte man sich merken, denn das wird noch wichtig!) geht in Gedanken schon die ersten Töne von Hold back the river durch, dem Stück, mit dem er die zweite Halbzeit zu eröffnen glaubt.  Dabei hatte er kurz zuvor noch von Kontrollverlust gesprochen (bei der Ansage zu Control von Jarle Bernhöft). Wir lassen Worten Taten folgen. Statt des erwarteten F-Dur-Akkords erklingt plötzlich von der Seite eine Beatbox-Einlage und der Chor entwickelt ein unübersichtliches Eigenleben, das sich jedem geplanten Dirigat komplett entzieht. Gewisse Momente und Ausdrücke in Chorleitergesichtern möchte man am liebsten für die Nachwelt festhalten. Können wir, machen wir. Wir dürfen vorstellen, eine reine Weltpremiere: Beautiful Gerl

aus der gekonnten Feder von >>Markus Meier. (Lieber Markus, herzlichen Dank, für Ton, Text und Probenunterstützung, als „der Chef“ abwesend war! Ebenso Dank an Carina für Inspiration und Ursula fürs Dranbleiben!). Unsere Liebeserklärung an Dich, lieber Christoph! Frei nach dem Motto: We kissed a Gerl and we liked it! Für den Rest des Abends halten wir uns an das vorgegebene Programm, auch wenn Christoph vor jeder neuen Tonangabe einen kleinen Moment misstrauisch innehält. Für Ain’t nobody wächst Cantaloop um eine Schar Ehemalige. Zuvor hatte Michael das Wachsen und Werden des Chores historisch und ganz bildhaft nachgezeichnet. (Lieber Michael, wie soll es nur werden ohne Dich?!) Als Finale schmettern wir Premiere Nummer zwei: Got to love von Laila Biali, in Szene gesetzt von Herrn Gerl. Später werfen wir die Stühle raus und verwandeln den Saal in eine Tanzfläche, wie sie lange nicht mehr dagewesen ist. Diesmal ist der Kontrollverlust geplant. Als wir die Türen von außen abschließen, wird es schon wieder hell. Und der eine oder andere schüttelt sich noch am Folgetag das letzte Konfetti aus dem Haar.