Cantaloop Hamburg

Virtuelles Wochenende

So richtig vorstellen konnten es sich viele von uns bis zum Schluss nicht. Ein Proben-Wochenende im Onlineformat? Diese wichtige Zeit im Chorleben, die die Sänger*innenschar im besten Fall ein ganzes Stück enger zusammenschweißt zwischen intensiver Probenarbeit, Jamsessions, Spaziergängen und dem ausführlichen Plausch am Frühstückstisch- kann das wirklich klappen vor dem Bildschirm?

Wir wussten es nicht- und wollten dennoch die Wahl haben. Einfach gar nichts zu tun, hätte unseren musikalischen Ambitionen auch nicht geholfen. Und so bildete sich bereits vor Wochen ein erstes Grüppchen auf dem Weg zu einem Plan. Ganz im Vertrauen auf die Erkenntnis, dass wir nicht nur gerne unser Publikum überraschen, sondern durchaus auch uns selbst!

Und so startet der Freitag wie jeder normale Freitag eines anständigen Chorwochenendes (in der Loopie-Abkürzung einfach nur CWE) mit Proben im Tutti und in Gruppen. Die Herausforderungen liegen derzeit naturgemäß an etwas anderer Stelle als bei physischer Präsenz („Irgendwer muss hier den Gain noch mal ein Stück herunterdrehen, da übersteuert was!“), aber als Ergebnis kommt dann doch wohlklingende Musik heraus. Und selten ist man als Sänger*in stärker gefordert, „in time“ zu bleiben und sich von etwaigen Onlineverzögerungen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sogar einer Open Stage nach alter Cantaloop-Tradition können wir als Schlusspunkt des Freitags verzückt lauschen, bereichert durch die ein oder andere Spontaneinlage.

Der Samstag ist dann zunächst der Chorfreizeit gewidmet. Über die Stadt verteilt bilden sich Loopie-Duos und vertreten sich Coronakonform und in echter Zweisamkeit die Beine, vielleicht sogar mit wachem Auge, das mögliche passende Outdoor-Locations für Proben im „teilweisen Normalbetrieb“ scannt. Andere treffen sich zum Tischtennis-Duett, das aus dem Cantaloop-CWE-Kalender ebenso kaum wegzudenken ist. Im Anschluss kommen dann wieder alle vor dem Bildschirm zusammen, um gemeinsam oder in Septetten zu singen.
Und wir meinen wirklich. Gemeinsam. Singen. Was die Technik alles möglich macht!

Wer schon einmal ein Cantaloop-CWE erlebt hat, weiß, dass ohne Bar und Playlist mit Tanzmukke am Samstagabend nichts läuft. So ist es auch diesmal. Loopie-Wohnzimmer verwandelten sich in kleine Diskothekchen, andere jammen spontan zu Livegitarre und Songbook. Hightlight des Abends ist ohne Zweifel das in liebevoller Vorbereitung erdachte Pubquiz, das die Loopie-Gemeinde sowohl vor machbare als auch schier unlösbare Aufgaben stellt. Den kompletten Liedtext von „Pippi Langstrumpf“ unter Zeitdruck und gegebenenfalls bereits etwas weinselig (und ohne zu googlen!) in die Tastatur zu hacken – das ist nichts, was man mal so eben aus dem Ärmel schüttelt! Und welches Lied ist das noch gleich, das uns da in deutscher Übersetzung von der Online-Assistentz in perfekter Radiostimme auf die Ohren gehaucht wird? Ein echt großer Spaß- verbunden mit der Erkenntnis, dass Kochtöpfe auch schicke Kopfbedeckungen sein können. Ein Riesendank an „die Quizmasterin und die Regie“! Am Schluss gewinnt übrigens der goldene Tapir, der Tuba in der Pauline spielt. Noch Fragen?

Am Sonntag zunächst ein Loopiefrühstück und Einblick in heimische Küchen, bevor dann das Aufwärmen für Kind und Kegel startet. Es ist ja nie zu früh, den Nachwuchs an das Chorleben heranzuführen! Bis zum Mittag frickeln wir weiter an unseren Stücken. Zwar können wir zum Abschluss keinem Küchenteam ein Ständchen singen, aber durchaus uns selbst auf die Schulter klopfen, bevor wir den Blick auf den Bildschirm mit dem Blinzeln in die Sonne tauschen. Unser Fazit: Ein virtuelles CWE ist kein echter Ersatz- aber uns hat auch die Online-Version gut getan!

Ende August steht übrigens unser nächstes Chorwochenende an. Die Zeichen stehen nicht ungünstig, dass wir dies irgendwie live und in Farbehinbekommen. Wir hoffen sehr darauf! Und bis dahin arbeiten wir weiter an unserer Einstellung. Natürlich an der unseres Mikrofons.