Das Deutsche Chorfest vibriert nicht zuletzt auch durch Konzerte an ungewöhnlichen Orten. Warum nicht einen kurzen Abstecher in die Politik unternehmen? Cantaloop erhielt genau diese Chance im Rahmen eines weiteren Tageskonzertes. Zielsicher steuerten wir am frühen Freitag Nachmittag, als dunkle Wolken drohend über der Stadt hingen, das Stuttgarter Rathaus an. Dort, im großen Ratssaal, hatte man uns die Bühne bereitet und wir schritten beschwingt die Außentreppe hinauf – um dann in der Eingangshalle mit einem verzückten Blick nach links ein Relikt aus vergangenen Zeiten zu entdecken. Ein Paternoster! In Betrieb! Unsere Begeisterung war nur schwer zu bremsen und es gab kaum jemanden aus der Cantaloop-Fraktion, der sich nicht für diesen ungewöhlichen Weg nach oben entschied.
Wenn knapp 40 SängerInnen mit einem Paternoster fahren wollen, der pro Kabine nur für zwei (noch dazu offensichtlich schlanke) Personen ausgelegt ist, führt das zwangsläufig zu einer gewissen Staubildung. Die Geduldigen unter uns reihten sich ordnungsgemäß auf (und spielten vielleicht sogar mit dem verwegenen Gedanken, in der obersten Etage einfach nicht auszusteigen, um den Nervenkitzel zu verspüren, was wohl passieren mag). Eine kleine Gruppe von Ungeduldigen nahm stattdessen den direkt gegenüberliegenden Aufzug in die vierte Etage – um beim Aussteigen festzustellen, dass im aufwärts fahrenden Paternoster auf der anderen Seite langsam ein Haarschopf auftauchte. Männlich. Vermutlich Bass. Genauer ließ sich das zu diesem Zeitpunkt nicht beurteilen, denn mehr als diesen Haarschopf bekamen die Aufzügler bis auf Weiteres nicht zu Gesicht. Das altehrwürdige Gerät war dem Ansturm von Musikern offensichtlich nicht gewachsen und stellte kurzerhand eigenwillig seinen Betrieb ein. Und während einige von uns im Aufenthaltsraum bereits in die Auftrittsklamotte schlüpfen konnten, harrte die andere Hälfte geduldig der Dinge, bis sie später von Mitarbeitern der Stuttgarter Verwaltung befreit wurden. (Nebenbei bemerkt: So konnten wir unserem Namen CantaLOOP mal ganz gelassen alle Ehre machen). Leider kam in diesem Moment niemand von uns auf die Idee eines wirklich verwegenen Spontankonzertes: Uncharted oder C´mon talk, verteilt über vier Etagen plus Zwischengeschoss – mit dieser Weltpremiere wäre vermutlich Chorfestgeschichte geschrieben worden!
Aber auch ohne dies wurde unser Ratssaal-Konzert ein toller Erfolg. Die schönste Reaktion auf unser Zwanzig-Minuten-Programm erhielten wir von einer Sängerin, die im März 2017 nach Hamburg zieht und sich bereits vorsorglich nach freien Plätzen in den Damenstimmen erkundigte. Wir können solche Anfragen nur begrüßen. Gut geplant ist schließlich schon halb gewonnen!
War man aber erst mal oben, lockte das Herbergs-Frühstück auf der Dachterrasse, ganz ohne Graubrot- und Hagebuttenklischee. Stattdessen: Krabbencocktail, Kaffeespezialitäten – und ein Speisesaal voller SängerInnen. Eine gute Gelegenheit, um bereits beim Frühstück erste Kontakte zu knüpfen, bevor es losging zum Ort des ersten Tageskonzertes. Uns erwartete das Team und die Bewohnerschaft des Anna-Haag-Mehrgenerationen-Hauses nebst zwei Blechen selbstgebackener Kekse. Wunderbar! Einsingen im Innenhof mit kurzfristigem Seitentausch (damit die schwitzenden Sänger in der Sonne auch mal in den Schatten durften – ja, es war wirklich Sommer!) – und dann der erste Auftritt. Wettbewerbsprogramm und Adeles „Skyfall“. Cantaloop passte sich den Stuttgarter Höhenunterschieden an, reihte sich kurzerhand auf der Treppe auf – und wurde Zeuge, welch intensive Wirkung Musik haben kann. Man konnte das „Auftauen“ der vorwiegend betagteren Bewohner regelrecht verfolgen. Und spätestens bei Michael Jacksons „Man in the mirror“ (Arr. Sao Haibat/Christoph Gerl) hatte der Rhythmus die Zuhörerschaft vollends erfasst. Was später folgte, war eine Einladung als Hauptact auf dem hauseigenen Sommerfest. Müssten dafür nicht gewisse Entfernungen überwunden werden, wir wären sofort dabei! Danke für diesen schönen Auftakt, Anna-Haag-Haus!
Das war ein Schock heute Vormittag: Pop-Up musste unsere gemeinsame Sonntagsmatinee aus Krankheitsgründen absagen. Wenn komplette Stimmgruppen flachliegen, kann auch der beste Chor nicht singen. Wir finden das natürlich sehr schade und wünschen schnelle und gute Besserung. Ein tolles und ausverkauftes Konzert heute Abend (vielen Dank an clazz – es war uns eine Freude!) macht aber trotzdem Lust auf unser morgiges Konzert, das selbstverständlich trotzdem stattfindet. Wir haben auf die Schnelle neue Konzertpartnerinnen gefunden, auf die wir uns sehr freuen. Lasst Euch überraschen … es gibt noch ein paar Tickets an der Tageskasse.
Das geht an alle Spontan-Konzertbesucher, Kurzentschlossene und Last-Minute-Entscheider: Macht Euch keinen Stress mit dem Ticketkauf für unsere beiden Kaleidoscope-Songs-Doppelkonzerte (Sa. 19:00 Uhr mit clazz, So. 12:00 Uhr mit Pop-Up). Denn für Euch haben wir noch ein paar Karten an der Abendkasse. Und teurer wird es auch nicht, reguläre Tickets kosten auch vor Ort 14,- Euro, Ermäßigte gibt es für einen freundlichen Zehner. Bleibt die Frage, ob die Kartenverkaufsstelle für eine Vokal-Matinee, die um 12:00 Uhr losgeht, auch Abendkasse heißt … aber wie sonst? Ein schönes Thema, das man bei einem Gläschen Sekt, einem frischen Kaffee oder einem verträumten Pils erörtern sollte. Für derlei Erfrischungen öffnen wir unsere Bar schon eine Stunde vor Konzertbeginn. Wir freuen uns auf Euch!
Übrigens: Bitte nicht vergessen, dass am Sonntag der 31. Hanse-Marathon stattfindet. Straßensperrungen & Co. inklusive. Verkehrsinformationen gibt es auf der >>Veranstalter-Website, den Streckenverlauf kann man sich >>hier angucken.
Auf Nummer Sicher geht, wer mit U- oder S-Bahn anreist. Die U2-Haltestelle „Christuskirche“ liegt nur zehn Fußminuten vom Kaifu-Gymnasium entfernt.
Der April ist unser Monat! Cantaloop lässt mit zwei Konzerten und einer Radioaufnahme von sich hören. Um da den Überblick zu bewahren und nichts zu verpassen, hier unsere Hör-Erlebnisse noch einmal in Reihenfolge: